SCHÖNE AUSSICHT
Kunstverein Frechen, März 2001

In ihrer Ausstellung "Schöne Aussicht" tauchte Uta Weber das Foyer des Frechener Stadtsaals in rotes Licht, indem sie die große Fensterfront mit roter Folie beklebte. Ausgespart waren kreisrunde Öffnungen, durch die die BesucherInnen die "Schöne Aussicht" auf die eher triste Umgebung genießen durften. Am Abend wurde der Raum von innen beleuchtet, so dass er wie eine bunte Laterne über den Dächern der Stadt schwebte.

Uta Weber benutzt zwei Arten von Folien: die großen roten Flächen bestehen aus undurchsichtiger, aber lichtdurchlässiger Folie. Besonders bei starkem Sonnenlicht geht ein überwältigendes, durchdringendes Leuchten von diesen Flächen in den Raum aus, dessen sinnlicher Ausstrahlung man sich kaum wird entziehen können. Die BesucherInnen tauchen in diesen Raum ein wie in ein warmes Lichtbad. Im Gegensatz zur roten Folie ist die orangefarbene, für die ausgesparten Kreise verwendete Folie durchsichtig. Nur hier ist der Blick nach draußen möglich, andererseits fällt aber auch das Tageslicht von außen an diesen Stellen punktuell in den Raum. Die Bewegung der tanzenden Lichtpunkte wird von den kreisrunden, an den Raumwänden locker verteilten Objekten aufgenommen und wieder zurückgeworfen.

Bei den Objekten handelt es sich um unterschiedlich große, kreisförmige Ausschnitte aus Fotografien, die durch die durchsichtigen Aussparungen früherer Fensterinstallationen Uta Webers aufgenommen und auf MDF aufgezogen wurden. Man muss schon genau hinschauen, um auf den teilweise undeutlich und verschwommen ausgefallenen Aufnahmen wiedererkennbare Details auszumachen: ein Hausdach mit einer Satellitenschüssel, der Kölner Kolonius, ein von Blumen eingefasster Weg. Im "Blick durchs Schlüsselloch", abgeschottet von ihrem Umfeld, wirken diese altbekannten Dinge fremd und verloren, wie Souvenirs aus einer fernen Welt.

Es geht Uta Weber nicht darum, im städtischen Einerlei das Außergewöhnliche herauszupicken. Auch das Foto-Objekt, das den Blick nach draußen wiedergibt, wie er sich bei der Ausstellung "Schöne Aussicht" bot, zeigt eine wenig aufsehenerregende Situation einer stadtplanerisch völlig verunglückten Ecke. Im Zentrum eines hochglänzenden, mit erheblicher Signalwirkung ausgestatteten Objekts wird daraus eine geheimnisvolle, Neugier und Fantasie weckende Szenerie. Uta Weber macht die Dinge nicht besser, als sie sind. Aber sie verändert die Bedingungen, unter denen sie betrachtet werden.

Befindet man sich selbst innerhalb einer ihrer Installationen, wird die gesamte Person unter dem Einfluss des warmen, meist roten Lichts in einen anderen Zustand versetzt. Nicht von ungefähr erinnert dieser Raum, in den die Geräusche und Eindrücke von außen nur gefiltert eindringen, an eine erotisch gefärbte, aber auch geschätzte, leibliche Innenwelt. Von hier aus lässt sich die Außenwelt wie durch ein Teleskop teils fasziniert, teils amüsiert, aber immer mit gebährendem Abstand, betrachten. Andererseits wirkt der von innen beleuchtete Raum bei Einbruch der Dunkelheit zunehmend überirdisch entrückt. In sich selbst ruhend verwandelt sich die am hellen Tage unauffällig ins Stadtbild eingebundene Architektur still und leise ins Wunderbare.

Sabine Müller

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