AUF UND DAVON
Raum für Kunst, Aachen 2003

Uta Weber taucht Räume in intensives, farbiges Licht, indem sie Fenster und verglaste Wandflächen mit lichtdurchlässiger Folie beklebt. Bei starkem Sonnenlicht füllt sich der Raum mit Farbe, die den Besucher wie ein warmes Lichtbad umfängt. In diesem homogenen, nach außen abgeschotteten Gehäuse verheißen ausgesparte „Gucklöcher“ einen Ausblick, der auch bei noch so vertrauter Umgebung einen voyeuristischen Effekt verspricht. Da die Durchblicke ebenfalls mit farbiger, jedoch durchsichtiger Folie beklebt sind, erscheint die Außenwelt exponiert und fremd. Das sinnliche Sensibilisierungsvermögen der Folie dehnt den Spannungsbogen zwischen der Intimität des Innenraums und der Distanziertheit des Außenraums in eine elastische Polarität, die fast magische Momente erlaubt, wenn das Sonnenlicht durch die transparenten Öffnungen in den Innenraum dringt und zitternde Lichtpunkte auf Boden und Wände wirft.

Die runden, auf dicke MDF-Scheiben aufgezogenen Wandobjekte Uta Webers gehören einem anderen Werkkomplex an als die Fensterinstallationen, haben aber inhaltlich viel damit zu tun. Von ihrer ursprünglichen Entstehung her könnte man sie als „materialisierte Gucklöcher“ bezeichnen, da sie auf Fotografien dieser „Gucklöcher“ zurückzuführen sind. Der Ausblick und der ihn begrenzende Ausschnitt werden in eine Bildebene gebracht. Durch digitale Bildbearbeitung wird der Rahmen zum reinen Farbfeld neutralisiert, das stets eine stark „diesseitige“ Präsenz innehat, während das von ihm eingefasste Motiv im Sinne eines klassischen Tafelbildes ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen scheint, die sich außerhalb des Hier und Jetzt befindet.

Der Blick ist geprägt durch den Standpunkt, der eingenommen wird. Tatsächlich spielt auch bei den Aufnahmen, die nicht mehr durch die „Gucklöcher“ der Fensterinstallationen gemacht wurden, die Perspektive eine besondere Rolle. Der Beobachter löst sich von der Erde, er schwebt oder begibt sich in die Luft. Nur gegen den klaren Himmel zeichnen sich die Dinge so gestochen scharf ab und gewinnen diese Schwerelosigkeit, die sich auch unter Wasser einstellt. Als farbige Spots verteilen sich die einzelnen Momentaufnahmen über die Wände wie Luft- oder Wasserblasen, die aus der Tiefe der Erinnerung steigen - blinzelnde Bullaugen, flüchtige, nicht greifbare Bilder.

Es ist ein ganz eigener Zauber, der von den Arbeiten Uta Webers ausgeht. Bei einbrechender Dunkelheit spielt sich in den Fensterinstallationen eine Verwandlung vor unseren Augen ab. Es ist wieder das Licht, das hier seine enorme Kraft entwickelt, aber jetzt ist es das künstliche Licht, das von dem beleuchteten Raum nach außen ausstrahlt. Im Dunkel der Nacht tritt der Raum in eine andere Dimension, er hat nichts mehr mit der Architektur gemein, die sich bisher unauffällig ins Stadtbild einfügte. Als fast überirdisch strahlende Lichtskulptur scheint er wie von einem anderen Stern, kurz davor, auf und davon zu schweben.

Sabine Müller

UP AND AWAY

Covering glazed walls with transparent foil Uta Weber immerses rooms in intensive, coloured light. Bright sunlight filling the room with colour embraces the visitor like a warm bath of light. In this homogeneous shell shielded from the outside, peepholes offer a view which, no matter how familiar the surrounding, promises a voyeuristic effect. Because the appertures are also covered with coloured yet transparent foil the world outside appears strangely exposed. The sensual and sentisizing quality of the foil expands the arch spanning the gap between interior intimacy and exterior distance, thereby creating an elastic polarity that brings forth almost magic moments when through the transparent openings sunlight penetrates the interior, throwing trembling spots of light on the floor and the walls.

Uta Weber`s round, thick wall objects mounted on M.D.F. sheets belong to a complex of her work entirely different from her window installations, but, as to content, they have much to do with them. Mindful of their origins we might call them " materialised peepholes " because they can be traced back to photographies of these peepholes. The view and the contours that limit it are projected on a single pictorial plane. Digital rendering reduces the frame turning it into a pure field of colour which always possesses a very worldly presence, whereas the framed motive, like a classic panel picture, seems to open a window on another world outside the here an now.

The view is determined by the chosen standpoint. In the pictures that were not made through the peepholes of the window installations perspective plays a special part. Detached from the earth the spectator floats away into the air. Set against the bright sky things are sharply delineated and achieve this weightlessness which also reigns under water. As coloured spots the individual snapshots spread over the walls like bubbles of air or water - blinking portholes, ephemeral, intangible pictures.

Uta Weber`s works exude a unique charm. At nightfall, before our eyes, a transformation takes place in the window installations. The light is back again, displaying its enormous power, but now it is artifical light radiating outwards from the illuminated room. In the dark of the night the room enters another dimension. No longer does it have anything to do with the architecture which has so far inconspicuously merged with the townscape. As an almost celestial sculpture of light, as from another star, it seems on the verge of floating up and away.

Translation by Kaspar Spinner

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